Finnische Sauna / Ruhesauna - mit Aufguss -

Was sollten Sie über die finnische Sauna wissen? Gibt es die finnische Sauna überhaupt?

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Saunen in Finnland und finnischen Saunen im Ausland sind wohl:

  • zum Saunabad gehört viel Wasser, das die Badenden mittels einer langstieligen Kelle auf die heißen Steine werfen und damit Dampf erzeugen. Das Wasser wird zünftig in hölzernen Eimern bereitgehalten und die Badenden feuchten sich damit nach Bedarf an. Das Wasser enthält niemals irgendwelche Duftzusätze!

  • in der Sauna ist man nackt. Tücher können auf die Pritschen gelegt werden, um die Sitze zu schonen. Wenn Sie Fotos von in Handtüchern gehüllten Sauna-Badenden sehen, so hat das mehr mit Rücksichtnahme auf "prüde" Ausländer, insbersondere Amerikaner zu tun als mit der Wirklichkeit.

Das Nacktheitsgebot bringt mit sich, daß Männer und Frauen getrennt baden, mit Ausnahme der Familien-Sauna. Falls nur eine Sauna zur Verfügung steht, wechselt man sich ab, meist läßt man den Damen den Vortritt, weil die Herren doch lieber länger im Dampf verweilen und die Damen ja hinterher mehr Zeit brauchen für Frisuren und Kosmetik.

Die Nacktheit der Saunabadenden hat ihren Sinn. In der Sauna sind alle gleichgestellt und niemand hat etwas zu verbergen. Deshalb gehört die Sauna in Finnland auch zu offiziellen Verhandlungen, in der Sauna wird die Grundlage für Kompromisse gelegt.

Die Finnen sind alles andere als begeistert darüber, dass in der Welt ihre asketische Sauna oft mit erotischen Etablissements in Verbindung gebracht und mit Fichtennadelduft "veredelt" wird. Obendrein sind die Temperaturen in ausländischen Saunen meist zu niedrig und die Dampferzeugung minimiert. Ich meine jedoch, für die Touristik hat dies auch sein Gutes: die Leute müssen eben nach Finnland kommen, um richtige Saunen kennen zu lernen.*

Die Sauna ist nach wie vor wichtiger Bestandteil der finnischen Identität. Eine Einladung zum Saunabad ist Auszeichnung und Vertrauensbeweis!

*Dass auch ein längerer Finnland-Aufenthalt keine Garantie für Saunakenntnis bietet, beweist das Beispiel des deutschen Dramatikers Bertolt Brecht. Er weilte als politischer Flüchtling etwa ein Jahr in Finnland (1940/41) und war auch lange zu Gast auf einem südfinnischen Gutshof. Doch in seinem Stück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" lassen sich in der Sauna die Badenden eimerweise mit Wasser übergießen. Brecht, als badescheu bekannt, der ungern sein Hemd wechselte, hat wohl die Sauna nie ausprobiert, sonst hätte er gemerkt, dass das Wasser auf die heißen Steine geschüttet wird.